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Write yourself clean

10. August 2016

Ein Protokoll von Sandra Gugic, Juni 2016

Aus dem Taxifenster sehe ich die MS Europa, ein gigantisches Kreuzfahrtschiff, im Hafen von Kiel anlegen. Ich bin unterwegs Richtung Bahnhof, auf dem Heimweg nach drei Tagen Festival. Anderswo, in Österreich, ist Wahltag. Bundespräsidentenwahl. Stichwahl, genau genommen. Propagierter Favorit ist der Kandidat der Freiheitlichen Partei Österreichs, Norbert Hofer. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass mein Favorit, Alexander van der Bellen, die Wahl für sich entscheiden wird. Zu Recht, aber das weiß ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Was ich zu diesem Zeitpunkt weiß, ist zum einen, dass diese Wahl eine Richtungsentscheidung bedeutet, nicht nur für Österreich, und zum anderen weiß ich, dass ich an einem Text über die aktuelle politische Situation in Österreich gescheitert bin. Endlos habe ich nach dem richtigen, dem perfekten Gedanken gesucht, Notizen gesammelt, um dann doch alles zu verwerfen. Es liegt in der Natur der Ereignisse, dass sie die Schreibende überholen. Die Ereignisse überholen die Schreibende also rechts und links, werden von Eilmeldungen überrannt, die Ereignisse laufen hinaus, ohne ein Ende zu finden. Man hat sich daran gewöhnt, dass alles immer gleichzeitig passiert. Während die MS Europa also anlegt, in diesem Augenblick, denke ich, dass ich den Text schreiben kann. (…)

Der vollständige Text findet sich hier →www.literaturhaus.at

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