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kolik 69 – Heimat. Eine Versuchsanordnung

10. August 2016

Heimat. Eine Versuchsanordnung* von Sandra Gugic

Meine Heimat ist das Wort, mein Vaterland Europa, mein Wohnort wechselnd, meine Hautfarbe sichtbar, meine Augen wach, meine Identität nachweisbar, mein Mut verschieden, meine Laune launisch, mein Herz Ausland, meine Fragen endlos, mein Pass janusköpfig, meine Sehnsüchte aus der Mode gekommen, meine Wut zeitlos, meine Wahrheit dreideutig, meine Zweifel ausgesprochen, zweifellos eine gute Migrantin, eine schlechte Verliererin, eine inländische Ausländerin, eine schnelle Leserin, eine Freundin der Fröhlichkeit, im Grunde traurig, den Menschen zugewandt, der Menschen überdrüssig, wachsam wie schlaflos, ungeübt in der Geduld, immun gegen Heimweh, das Ungewöhnliche gewohnt, eine mittelmässige Schwimmerin, unachtsam beim Radeln, durchschnittlich groß, zeitweise größenwahnsinnig, schüchtern wie schamlos, geboren in Wien, Berlin geliebt, Belgrad vergessen, Babel gesehen, entkommen nach Anderswo, in Transiträumen geschlafen, vom Meer geträumt, auf Demonstrationen getanzt, Partei ergriffen, das falsche Wort verloren, den Mund gehalten, Angst is not a Weltanschauung** zitiert, die Gegenwart befragt, die Gewohnheit verteufelt, die Ordnung verlegt, das Chaos glattgestrichen, Lebensentwürfe verknittert, Möglichkeitsräume vermessen, Vergangenheiten vorausgesetzt, Zukunftsaussichten verpixelt, Parolen überschrieben, Wurzeln ausgegraben, Gemeinschaft definiert, als pessimistische Idealistin bezeichnet, der Renitenz bezichtigt, der Hoffnung verfallen, ungetauft wie unbekehrbar, Gelegenheiten geliebt, Absichten gehabt, Chancen verpasst, dem richtigen Ton entkommen, Sprachen ineinander verwaschen, Kauderwelsch übersetzt, im Raum zwischen zwei Gedanken (ein)geatmet, Zeitverhältnisse eingegangen, in blinden Flecken gebadet, guten Rat verschenkt, die Richtung gewürfelt, die Welt wie eine Speisekarte studiert, Einheimische gespielt, einen Aufstand geübt, kosmopolitische Ferien gemacht, Freiheit rückwärts und vorwärts buchstabiert, Ideologie gegurgelt gegurgelt gegurgelt und ausgespuckt, fortgegangen, zurückgekommen, wollenmüssensollengekonnt, mir kein Bildnis gemacht, eine Bibel gestohlen, Heidenangst verspürt, Gedichte geschrieben, grüßgott gesagt, einen Revolver geladen, ein Ziel verfehlt, Maßnahmen getroffen, BitteDanke gesagt, Scheiße gesagt, Jebem ti gesagt, ein X gegen ein U getauscht, Nein gesagt, weil: ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel, einen Bogen überspannt und A wie B wie C wie D gewagt, gewonnen, versagt, wurschtweil: ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel den Apfel vom Kopf und vom Apfel einen Bissen genommen

 

*Hommage an HC Artmanns Text Meine heimat ist österreich, der Prolog zu: Das suchen nach dem gestrigen tag oder schnee auf einem heißen brotwecken, Walter Verlag, 1964      –– unter Verwendung von Zitaten aus dem Originaltext (kursiv gesetzt)

**Angst is not a Weltanschauung ist ein Album von Bernd Fleischmann, Morr Music, 2008

→www.kolik.at

Klangfarben in Kiel

7. Juni 2016

 

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→www.kn-online.de

Die AutorInnen des Debütroman-Festivals Kiel 2016 >> (v.li.) Neske Beks, Liliana Hermetz, Carlos Fortea, Benjamin Haegel, Michael Bijnens, Bruno Pellegrino, Shida Bazyar, Alice Torriani, Morten Pape, Sandra Gugic, Tiril Aakre

Europäisches Festival des Debütromans 2016 / Kiel

7. Juni 2016

→literaturhaus-sh.de

I felt very cosmopolitic today / I have written myself clean / I am the weak spot in the system / (is there a room for sorrow?) / I am writing I am an act of resistance am I / (I learnt english from reading subtitels) / I have lost fear of what other people think about me / I want to hug a tree // what the trees heard, notizen aus kiel    

Fleisch Magazin Nr. 37: WAHNSINN

27. April 2016

Fleisch_Wahn_cover Header_Fleisch_Wahn Zeitschriften

Im aktuellen Fleisch, Ausgabe 37, findet sich auch ein Text von mir. Im gutsortierten Zeitschriftenhandel. Kaufen, kaufen, kaufen! →www.fleischmagazin.at

Vier Sterne vom Stern

25. Januar 2016

 Vier Sterne vom Stern

Rezension vom 3. August 2015 im Stern

Astronauten Geburtstag

19. Januar 2016

Heute vor einem Jahr wurde Astronauten veröffentlicht. Heute vor einem Jahr bin ich vor dem Veröffentlichungstermin auf eine Insel geflüchtet. Weil ich nie lang offline sein kann, hab ich von dort aus die Fragen der Literaturwerkstatt Berlin beantwortet.

→openmikederblog.de

FLux FM Berlin

19. Januar 2016
MIT DER LITERATURWERKSTATT BEI FLUX FM

Jutta Büchter von der Literaturwerkstatt und ich (mit den Astronauten) waren Ende November 2015 am Vorabend des 23.Open Mike zu Gast beim Berliner Radisender FluxFM und Moderator Winson. →www.fluxfm.de

New Books in German

19. Januar 2016

Auf der Website NEW BOOKS IN GERMAN findet sich eine (großartig gemachte!) englische Probeübersetzung der Astronauten von Bryn Roberts. →www.new-books-in-german.com  

Best of Kultur – Falter 2015

18. Januar 2016

Die Astronauten haben es ins Best-of-Literatur-2015-Ranking des FALTER geschafft!BestofFalter_klein

Hoffnungsvorrat

6. Mai 2015

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Hoffnungsvorrat, mir ist, als hätte ich das bei Alexander Kluge gelesen. Der Schriftsteller und sein Hoffnungsvorrat. Dass du einfach nicht davon ausgehen kannst, nicht wirklich davon ausgehen kannst, dass zu erzählen, etwas in Sprache zu bringen, jemals sinnlos sein könnte.

// Terézia Mora, Nicht sterben, Frankfurter Poetikvorlesungen